Letztes Jahr war alles noch anders

Der Elsa-Chor im Dezember 2019

Alle Chormitglieder vermissen die Chorproben und natürlich die Auftritte, so auch unser Chorleiter, der deshalb eine ganz liebe Mail an alle geschickt hat. Hier Auszüge daraus:

Liebe Sängerinnen und Sänger,

liebe Musiker*innen im Stadtteiltreff,

Ihr wisst sicher alle, was wir gestern eigentlich zusammen gemacht hätten? Nein? Nach unserer Jahresplanung hätte gestern, also am 14. Dezember, das große Abschlusskonzert des Jahres 2020 mit Chor und Instrumentalist*innen stattgefunden. Und ich bin ganz sicher, dass es ein schönes Konzert und ein wundervoller Abend geworden wäre.

Ja, ich hätte jetzt tagelang unter Strom gestanden, spätestens ab Dienstag, letzte Probe, auch wenn man es mir nicht immer anmerkt. Bevor Mäh und ich zum Konzert die Bühne betreten, geht uns der Arsch auf Grundeis. Die Anspannung ist total und die Entspannung danach bei uns allen ist genauso total - deshalb sind diese Momente ja so wertvoll für uns. Und die Umarmungen danach und das Dankbare, etwas gemeinsam geschafft zu haben. Scheiße das fehlt mir so, Ihr fehlt mir so. Die Umarmungen an einem Konzertabend oder einmal Waldweihnacht (mein Gott, mir fehlt sogar die Waldweihnacht!) sind mehr, als wir das ganze Jahr 2020 gehabt haben. Wir hätten drei Tage Chorwochenende gehabt, ein Jahr mit ca. 20-30 Chorproben und Orchesterproben, so waren es gerade 2 mal singen und für wenige etwas Musikunterricht. Ja, manchmal ist die Überei anstrengend, aber man wird doch belohnt, oder? Mit Gemeinschaft, mit kleinen Gesten, manchmal nur Augenkontakten, Augenblicke, die so kostbar sind und in einer Sekunde verfliegen und die leider kein Videosystem dieser Welt transportieren oder einfangen kann. Es fehlt mir!

Ja, meine Überstunden sind weg, ja, es ist schön, so viel frei zu haben am Abend und am Wochenende aber scheiße ja: Ich mache meine Arbeit für den Stadtteiltreff sehr gerne, ich habe eine der schönsten Arbeitsstellen der Welt und ich möchte diese Arbeit - wie sie vor Corona war - irgendwann wieder haben, bitte!

Ich habe Angst, Menschen zu verlieren, an Corona, ja, aber auch an schreckliche Begleiterscheinungen durch Corona. Ihr wisst, wir versuchen im Stadtteiltreff irgendwie die Arbeit weiter zu machen und in Kontakt zu bleiben und neue Kontakte zu schaffen. Ich kann Euch versprechen, dass wir Tag für Tag darum ringen, wie wir in dieser Zeit am besten für die Menschen da sein können, es ist schwierig, ja, aber wir werden den Mut nicht verlieren.Ich wünsche Euch und uns, dass wir den Mut und die Hoffnung nicht verlieren, denn das ist doch die Weihnachtsbotschaft, oder die Hoffnung auf Rettung? Und ein Mainzer Unternehmen bringt die Rettung, oder hoffentlich einen kleinen Teil davon, den Impfstoff. Das ist nur ein kleiner Teil, aber dennoch werde ich mich mit großer Überzeugung impfen lassen, wenn ich dran bin.

Ich wünsche Euch und uns Musik! Egal, ob Ihr Euch frühere Konzerte von uns auf DVD anschaut, ob Ihr schöne Musik hört und vielleicht ein bisschen mitsingt, ob Ihr Euer Instrument aus dem Regal holt. Der Musik hat Corona geschadet, lassen wir das nicht zu! Holen wir die Musik zurück in unser Leben.Ich wünsche Euch, dass Ihr Menschen habt zum Weinen und zum Lachen. Eine Partnerin oder einen Partner, einen Freund oder eine Freundin, Familie, Nachbarn. Und wenn Ihr niemanden habt, dann meldet Euch und wir finden jemand anderen, der auch gerade ein bisschen alleine ist. Ich spüre, dass jeder Moment der realen zwischenmenschlichen Beziehung gerade so wertvoll ist.

Und ich wünsche mir Frieden für die Welt und das wir vielleicht wenigstens durch Corona lernen, dass wir die Welt dringend wieder in Ordnung bringen müssen.

Fühlt Euch umarmt, eine besinnliche, warme, menschliche, frohe Advents- und Weihnachtszeit

wünscht Euer musikalischer Leiter,

Stephan